r L’affaire Bojarski
Jean-Paul Salomé, Frankreich, Belgien, 2026o
Im Frankreich der Nachkriegszeit wurde Jan Bojarski, ein junger polnischer Flüchtling, zum «Cézanne des Falschgelds». Mehr als fünfzehn Jahre lang führte dieser Mann ein Doppelleben, ohne dass seine Familie davon wusste, und fertigte in einem Gartenschuppen Fälschungen an, die «echter» waren als die von der Banque de France ausgegebenen Noten... Damit wurde er zum Erzfeind eines besessenen Polizeikommissars, die Jagd nach ihm zum Duell zweier Besesssener.
Die Geschichte des Geldfälschers Ceslaw Bojarski (1912–2003) ist ebenso unglaublich wie wahr – und in unserem Zeitalter allgegenwärtiger Überwachung kaum mehr vorstellbar. Der aus Polen stammende Flüchtling brachte in Frankreich fast fünfzehn Jahre lang Banknoten in Umlauf, deren verblüffende Ähnlichkeit mit den Originalen ihm den Beinamen «Cézanne des Falschgelds» eintrug. Kein Künstler, aber ein meisterhafter Handwerker, arbeitete er einsam in seiner Werkstatt, ohne dass selbst seine Angehörigen etwas ahnten. Die Polizei hielt es lange für ausgeschlossen, dass ein Einzelner hinter einer derart perfekten Produktion stecken könne, und suchte vergeblich nach einer mächtigen kriminellen Organisation. Jean-Paul Salomé (La daronne und La syndicaliste) und sein Co-Drehbuchautor Bastien Daret verfügten damit über eine wahre Goldgrube. Geschickt nutzen sie das Thriller-Potenzial dieser «wahren Geschichte»: Die Figuren werden über Zeitsprünge eingeführt, die Motive des Fälschers klar herausgearbeitet und die Handlung straff erzählt. Der Film nimmt sein Publikum zwar bei der Hand, fesselt aber von Beginn weg. Viel zum Gelingen trägt Reda Kateb bei, der Bojarski als sympathische Figur zeichnet. Im Frankreich der 1950er-Jahre scheitert der Pole am alltäglichen Rassismus, der ihn um die erhoffte Laufbahn als Erfinder bringt, worauf er sich enttäuscht der Geldfälscherei verschreibt. Weniger überzeugend gerät die Figur seiner Ehefrau. Als blasse Nebenfigur lässt sie uns kaum verstehen, weshalb sie ihren Mann erst so spät verdächtigt, und auch die Ehekrise nach der Enthüllung der Wahrheit bleibt erstaunlich konturlos. Doch das sind Einwände am Rand: Diese wahre Fälschergeschichte ist alles in allem ein packendes Stück Kino.
Émilien Gür
